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Neonazis leisten ungehindert Militärdienst

Dutzende Militärangehörige brüsten sich laut einem Bericht im Internet mit ihrer rechtsextremen Einstellung – darunter sogar Führungspersonen. Sicherheitspolitiker sind empört. Der Armee sind d...
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Communiqué von A-Perron zum Angebot der Stadt Thun

Communiqué zum Angebot der Stadt bezüglich Räumlichkeiten für ein nichtkommerzielles Kulturzentrum in Thun (3. Oktober 2012) Der Gemeinderat hat beschlossen, ein einjähriges Pilotprojekt für e...
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Thun schafft Freiraum für die Jugend

Thun erfüllt den Jungen einen Wunsch: Sie stellt ihnen beim Bahnhof Räume zur Verfügung. Starten könnte das einjährige Projekt im Januar.   ...
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Communiqué zum Nächtlichen Tanzvergnügen 2.0

Gestern Samstag, am 22. September nahmen wir uns mit über zweitausend Menschen die Strassen Aaraus. Obwohl wir uns nie um eine Bewilligung gekümmert haben, wurde sie uns absurderweise trotzdem ertei...
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Spur der Neonazimorde führte in die Schweiz

Die deutsche Polizei tappte bei der Aufklärung der Morde der Zwickauer Zelle lange im Dunkeln. Eine wichtige Spur hätte zu einem Berner Waffenhändler geführt. Die Behörden verfolgten sie jedoch n...
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Rote Karte für Tupacs Tante

Wenn es um die Drangsalierung und Kriminalisierung von Fußballfans geht, gehört Italien von jeher zur europäischen Spitze. Anfang November hat der italienische Fußballverband FIGC nun den von Ultras gegründeten Amateurverein Polideportivo Assata Shakur aus Ancona aufgefordert, seinen Namen zu ändern. Der Verein sei nach einer vom FBI gesuchten Terroristin benannt, lautet der Vorwurf. Sollte der Name beibehalten werden, würden alle Partien des Clubs, der in einer unteren Amateurliga spielt, abgesagt, so der Verband.

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Benannt ist der Verein nach der heute 64jährige Afroamerikanerin Assata Shakur, die mit bürgerlichem Namen Joanne Deborah Byron Chesimard heißt. Sie ist die Stieftante des 1996 ermordeten Rappers Tupac Shakur und war Mitte der sechziger Jahre in der schwarzen Bürgerrechtsbewegung der USA aktiv, kämpfte gegen Diskriminierung und für die Gleichberechtigung der Afroamerikaner. Später wurde sie Mitglied der »Black Panther Party« und der »Black Liberation Army«, einer militanten marxistischen Untergrundorganisation, die größtenteils aus der »Black Panther Party« hervorging. Nach einer Schießerei, bei der Assata Shakur angeschossen worden war, wurde sie 1973 wegen des Vorwurfs verhaftet, einen Polizisten getötet zu haben. Im Bundesstaat New Jersey herrscht eine besondere Rechtslage: Bei Mordddelikten wird nicht nur der Täter, sondern auch jeder seiner eventuellen Komplizen als Mörder angeklagt und verurteilt, so dass nicht genau bewiesen werden muss, wer beispielsweise die tödlichen Schüsse abgegeben hat. Im Prozess gegen Shakur kam die Jury 1977 nach 24stündiger Beratung zum Ergebnis, sie sei des Mordes schuldig, obwohl die Angeklagte – bis heute – immer ihre Unschuld beteuerte. Von einem Einsatzkommando aus dem Gefängnis befreit, flüchtete die zu lebenslanger Haft Verurteilte 1979 nach Kuba, wo sie 1984 politisches Asyl erhielt. 2005 stufte das FBI sie als Terroristin ein. Dies nahm nun der Fußballverband zum Anlass, den Namen Assata Shakur als »nicht geeignet« für den Sportclub anzusehen.

Der Vorsitzende des Vereins, Alessio Abram, versteht die Welt nicht mehr, vor allem, weil der Club schon seit mehr als zehn Jahren Shakurs Namen trägt: »Sie wollen, dass mein Team aufgelöst wird, wenn wir den Namen nicht ändern? Jetzt kommen sie mit einem Gesetz, von dem ich keine Ahnung hatte, dass es überhaupt existiert. Ich weiß nicht, was ich sagen soll, es scheint alles so absurd. Nein, wir werden diese Entscheidung nicht einfach passiv hinnehmen. Der Name Assata Shakur ist einfach sehr wichtig für uns, für den antirassistischen Sportverein.«

Abram selbst war nur wenige Tage zuvor, am 29. Oktober, von der Polizei verhaftet worden. Er habe gegen Auflagen verstoßen, die ihm den Besuch jeglicher Sportveranstaltungen untersagen – er hatte sich ein Spiel seines Clubs angeschaut. Drei Beamte der Abteilung Kriminalitätsbekämpfung des Polizeipräsidiums von Ancona sprachen Abram nach dem Meisterschaftsspiel seines Teams an und luden ihn unter einem Vorwand auf die Polizeiwache vor. Als der 39jährige dort auftauchte, wurde er verhaftet. Anstatt ihm einfach nur eine Vorladung zum Verfahren am darauffolgenden Montag zu übergeben, zwang man ihn so, zwei Tage im Gefängnis Montacuto verbringen. »Die Schuld von Alessio? Der Besuch eines Spiels jener Mannschaft, die er mit so viel Leidenschaft und Aufopferung gegründet und geleitet hat, wie jeder in der Stadt weiß. Der einzige Fehler Alessios war, ein Fußballspiel zu besuchen, wenn auch nur der dritten Kategorie, und das trotz einer Auflage der Daspo, die ihm den Zugang zu Sportveranstaltungen verweigert«, so der Verein in einer Protestnote. Daspo steht für »Divieto di Accedere alle manifestazioni Sportive« und bezeichnet eine spezielle, 1989 per Gesetz eingeführte Art von Stadionverbot, mit der die Gewalt in Fußballstadien bekämpft werden soll. Neben diversen Fangruppen erklärte sich auch die Kommunistische Partei Italiens solidarisch mit Abram.

In seiner Erklärung stellt der Verein eine Verbindung zwischen der Festnahme Abrams und den Ereignissen in Rom am 15. Oktober her. An dem Tag hatten weltweit Massendemonstra­tionen der sogenannten »Indignati« (Empörten) stattgefunden. In der italienischen Hauptstadt war es dabei zu stundenlangen, heftigen Auseinandersetzungen zwischen einem Teil der Demonstranten und der Polizei gekommen, Polizeiautos wurden in Brand gesteckt, mehrere Beamte verletzt. Zwei Tage nach den Ereignissen in Rom erhielt Abram Besuch von der Polizei, da er an den Protesten teilgenommen hatte. Bei der Hausdurchsuchung fand die Polizei nach eigenen Angaben Tränengashülsen und schwarze Schals. Es sieht danach aus, als solle gegen unliebsame politische Aktivisten vorgegangen werden. Abram ist auch in linksradikalen Kreisen aktiv.

Der Fall Abram zeigt, wie Stadionverbote der Polizei weiterreichende repressive Maßnahmen ermöglichen. Eine solche Instrumentalisierung von Rechtsvorschriften über den Besuch von Fußballstadien schränkt Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit ein. Mit Begriffen wie »poten­tiell subversiv« und »gefährlich« werden Fußballfans kriminalisiert und bekämpft – nach der Verhältnismäßigkeit fragen Medien und Öffentlichkeit kaum.

Abram gehört zur Ultraszene des Traditionsvereins AC Ancona, der wegen finanzieller Schwierigkeiten in die fünfte Liga abgestiegen ist. Wegen des Verstoßes gegen Auflagen im ­Zusammenhang mit dem Besuch von Fußballspielen war Abram schon einmal zu einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, wegen fehlender Haushaltsmittel für eine Inhaftierung aber bald wieder entlassen worden.

Polideportivo Assata Shakur wurde 2001 gegründet. Von Anfang an verschrieb sich der Verein vor allem der Integration von Menschen aus unterschiedlichen Ländern und engagiert sich bis heute besonders gegen Rassismus und für Flüchtlinge und Migranten. Diesen wird eine Möglichkeit gegeben, Sport zu treiben und Fußball zu spielen – unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten. Die antirassistische Arbeit des Clubs begann Früchte zu tragen und erregte Aufmerksamkeit in Ancona, lokale Zeitungen berichteten immer häufiger über den Verein und seine Aktivitäten. Er ist an der Organisation der Antirassistischen Fußball-WM beteiligt, an der 450 Spieler aus aller Welt teilnehmen, und bestritt ein Wohltätigkeitsspiel gegen die Juniorenauswahl von AC Ancona 1905, bei dem Geldmittel für ein Trinkwasserprojekt in Äthiopien gesammelt wurden. Vor allem aber erreichte der Verein gegen erhebliche Widerstände, dass in der Amateurklasse alle ausländischen Spieler spielberechtigt sind.

Die Forderung des italienischen Fußballverbandes ist auch problematisch, weil dieser die Sichtweise des FBI übernimmt. Das FBI aber ist kein in Italien verfassungsrechtlich legitimiertes Organ und genießt keine Anerkennung durch die nationale Rechtsordnung.

Der Vorfall erinnert an ein trauriges Kapitel im italienischen Fußball. Während der Herrschaft von Benito Mussolini musste sich der damalige und heutige Spitzenverein Internazionale Mailand 1928 in Ambrosiana SS umbenennen, da die Faschisten meinten, der Name Inter verweise unweigerlich auf die Sozialistische Internationale. Nach Kriegsende 1945 konnte der Club wieder seinen ursprünglichen Namen annehmen.

Quelle: jungleworld