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Hat Spiez ein ?Neonazi?-Problem?

Rassistische Gewalt in Spiez: Mehrere rechtsradikale Übergriffe in jüngster Zeit werfen Fragen auf

Eine Aktionsgruppe ruft gegen rechtsextremistische Gewalt auf, ein Jugendarbeiter reicht Anzeige gegen Unbekannt ein – nach wiederholten Übergriffen «gegen Ausländer und Andersdenkende». Hat Spiez ein Problem mit «Neonazis»?


 

franziska ramser


«Zunehmende Gewalt in Spiez» ist auf dem Flyer, der in den letzten Wochen an viele Haushalte im Ort verteilt wurde, zu lesen. «Eine kleine Gruppe von Rechtsextremisten», so das Flugblatt, sei für Übergriffe «gegen Ausländer und Andersdenkende» in letzter Zeit verantwortlich zu machen. Die Spiezer werden aufgefordert, nicht wegzuschauen und «Courage» gegen den «Faschismus» zu zeigen. Der Flyer verweist auf die Website der Aktionsgruppe «No Nazis Spiez». Sie seien «ein Zusammenschluss von mehreren Personen aus der Region Spiez», geben «No Nazis Spiez» bekannt – Namen sind indes keine zu finden, die Aktionsgruppe bleibt anonym. Man wolle sich wehren gegen «kriminelles und gewaltsames Handeln» und gegen «rechtsextreme Ideologien», ist auf der Website zu lesen.


Entwickelt sich in Spiez eine Neonaziszene?


Jugendarbeiter macht Anzeige


Dass sich die Übergriffe von rechtsextremer Seite in letzter Zeit häufen, haben offenbar nicht nur die Leute von «No Nazis Spiez» beobachtet. Ende Juni haben ein Jugendarbeiter und eine Bürgerin gemeinsam Anzeige gegen die an den Vorfällen Beteiligten eingereicht. Sie erheben mehrere Vorwürfe: Die Täter provozieren und bedrohen laut Anzeige die Spiezer Jugendlichen, zwangen zwei Männer zum Hitlergruss und haben am Pfingstwochenende in der Spiezer Bahnunterführung einen Mann tamilischer Herkunft brutal zusammengeschlagen. Ausserdem wird ihnen versuchter Drogenhandel vorgeworfen. Zwar kenne er die Schläger, sagte der Jugendarbeiter gegenüber dem «Bund», «aber nicht mit Nachnamen». Die Anzeige hat er gegen Unbekannt eingereicht. Er sehe sich als «Breschenschlager», wolle mit seiner Anzeige die Opfer ermutigen, sich bei der Polizei zu melden. Er selbst bleibt anonym, zu seinem eigenen Schutz, sagt er. «Die Täter kennen mich.»
Es habe schon immer Rechte gegeben in Spiez, so der Jugendbetreuer, bisher seien sie aber keine Bedrohung gewesen. «So schlimm war es vorher nie.» In ein «Wespennest» will er aber dennoch nicht gestochen haben: Das seien eher «drei bis vier Spinner» als eine organisierte Gruppierung, gibt sich der Jugendarbeiter überzeugt.
Allerdings rufen die Ereignisse einen anderen, dramatischen Vorfall in Erinnerung: «Es sind nur drei Jahre und 20 Kilometer bis nach Unterseen», zitierte der «Berner Oberländer» aus der Anzeige, die der Spiezer Jugendarbeiter und die Bürgerin eingereicht haben. Sie spielen damit auf den Mord an Marcel von Allmen an, der damals von seinen rechtsextremen Gesinnungsgenossen getötet wurde.


«Nazis» aus dem Simmental?


Wie der Jugendarbeiter vermuten auch «No Nazis Spiez» kein systematisches Vorgehen hinter den Ereignissen in Spiez: In einer Stellungnahme gegenüber dem «Bund» schätzen sie die «Spiezer Neonazis» als «nicht so gut organisiert» ein. Eine grössere Gefahr drohe von «Nazis aus dem übrigen Kanton und anderen Städten der Schweiz» – ihre Herkunft habe man aufgrund der Autonummern bestimmt –, die Spiez erkundeten, Leute beobachteten und fotografierten. Die seien «viel besser organisiert» und pflegten Kontakt zur «gesamtschweizerischen Naziszene». Mit den Vorfällen in jüngster Zeit hätten diese «Nazis» aber nichts zu tun. Wer dafür verantwortlich zu machen ist, glauben «No Nazis Spiez» genau zu wissen: «Wir kennen ihre Namen und Adressen.» Die drei Täter stammten aus dem nahen Erlenbach. Sie kämen wohl aus dem Simmental nach Spiez, «weil es der nächstgrössere Ort» sei und sich hier «linke Jugendliche» aufhielten. Und wahrscheinlich, so vermuten «No Nazis Spiez», wollten die Erlenbacher in Spiez «Leute für ihr rechtsradikales Denken rekrutieren».


«Sicher kein Hirngespinst»


Er wisse «klar nicht», von wem geredet werde, sagt der Spiezer Gemeindepräsident Franz Arnold (sp) auf die Frage, ob ihm die an den Schlägereien Beteiligten bekannt seien. Klar ist für ihn aber, dass sich «einige Leute so verhalten, dass man nicht darüber hinwegsehen kann». Eine Häufung solcher Ereignisse sei ihm nicht bekannt, so Arnold, aber «der Rechtsradikalismus ist sicher kein Hirngespinst». Er sei latent in den Köpfen vorhanden und zuweilen komme es zu Übergriffen. Es sei aber nicht so, «dass Spiez geschlafen hat». Man wisse, was in Spiez soziokulturell gehe, und sei «am Werk». Grundsätzlich möchte Arnold die «Gewaltakte» aber «von der Gemeindeebene trennen»: Die Vorfälle hätten «mit Spiez an sich nichts zu tun», hätten auch anderswo stattfinden können.
Für die Kantonspolizei, bei der die Anzeige gegen Unbekannt eingereicht wurde, gestalten sich die Ermittlungen aber schwierig: Man nehme solche Ereignisse «todernst», sagt der Presseverantwortliche Jürg Mosimann. Aber weder die Opfer noch allfällige Zeugen haben sich bei der Polizei gemeldet. Auch auf den Aufruf, sich mit Hinweisen und Informationen zu melden, seien bisher jegliche Reaktionen ausgeblieben.